Den Hausbock bekämpfen - Befall erkennen und beseitigen

Hausbock im Dachstuhl ist ein ernstzunehmendes Problem! Erfahren sie wie sie Hausbockbefall erkennen und welche Möglichkeiten es zum Hausbock bekämpfen gibt.

Hausbockkäfer Larve auf einem Holzstock
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Der Hausbock – ungeliebter Untermieter

Der Hausbock (Hylotrupes bajulus) nicht zu verwechseln mit dem Holzbock (Ixodes ricinus) einer Zeckenart(!), ist zwar in den letzten 100 Jahren in seiner Verbreitung zurückgegangen, gilt aber immer noch neben dem gemeinen Nagekäfer (umgangssprachlich Holzwurm) und dem Splintholzkäfer als einer der zerstörerischsten Trockenholzinsekten in unseren Breitengraden.

Der Hausbockkäfer befällt gerne Dachstühle aus Nadelholz, aber auch Türschwellen, Fensterrahmen, Deckenbalken, Fachwerk und seltener auch Weichholzmöbel. Gerade wenn konstruktive Bauteile wie Balken oder auch der Dachstuhl im Ganzen im Haus vom Hausbockkäfer befallen sind, stehen die Besitzer vor der schwierigen Frage, wie man den Hausbock bekämpfen kann, bzw. was generell bei einem Hausbockbefall getan werden kann.

Recherchiert man im Internet zum Hausbock, wird man geradezu erschlagen von unterschiedlichen Meinungen selbsternannter Experten, Verfahren zur Hausbockbekämpfung, Mitteln zur Vorbeugung und auch einigen halbgaren Tipps um dem Hausbockbefall Herr zu werden. In diesem Artikel soll nun versucht werden ein wenig Struktur in das Thema zu bringen und nach Möglichkeit Nützliches von Unnützem zu trennen.

So, Zeit für eine Tasse Kaffee / Tee, dann geht’s dem Hausbockkäfer an den Kragen! :-)

P.S. vieles der folgenden Inhalte ist auch auf die Bekämpfung bei Befall des gemeinen Nagekäfers – dem Holzwurm anwendbar. Allerdings gibt es hier auch noch einen ausführlichen Artikel zu diesem Plagegeist.

    Inhaltsverzeichnis des Artikels
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  1. Aussehen und Lebensgewohnheiten
  2. Aktiven Hausbockbefall erkennen
  3. Den Hausbock bekämpfen
  4. Mittel zur Vorbeugung
  5. Produktvorschläge
  6. Weiterführende Artikel

Der Hausbockkäfer – Aussehen und Lebensgewohnheiten

Im ersten Schritt, bevor man ans Hausbock bekämpfen oder an entsprechende Sanierungsarbeiten denkt, sollte man eine eindeutige Bestimmung des Übeltäters vornehmen. Dazu folgt an dieser Stelle eine Beschreibung über Aussehen der Hausbockkäfer Larven, wie auch der adulten Käfer und ihrer Lebensgewohnheiten.

Der Hausbockkäfer

Der ausgewachsene Hausbockkäfer wird etwa bis 25mm lang (die Weibchen, Männchen etwas kleiner). Er ist von seiner Grundfarbe Braun bis Schwarz und mit sehr feinen, grauen Haaren am ganzen Körper bewachsen. der adulte Hausbockkafer freigestellt auf weißem Grund - Hausbock bekämpfenSein farbliches Aussehen kann zwar variieren, allerdings bleibt er immer gut von anderen Bockkäferarten, wie dem Scheibenbock, dem variablen Schönbock, dem Mulmbock oder dem Rothalsbock (alles Frischholzinsekten) unterscheidbar. Alles in allem ist er ein recht unscheinbarer Käfer mit flachem, länglichem Körperbau mit relativ langen Fühlern und Beinen und krallenbewehrten Füßen. Kopf und Hals des Hausbocks sind deutlich vom Körper abgesetzt und die hellen Härchen auf den Flügeldecken zeichnen feine Streifenmuster auf dem Rücken. Die Käfer schlüpfen meist zwischen Mai und August. Dazu fressen sie sich ovale 4-8mm große Ausfluglöcher, die an den Seiten oft ausgefranst wirken, aus dem Holz. Ihre Lebenszeit ist sehr begrenzt. Sie haben nach dem Schlüpfen nur etwa 3-5 Wochen um sich zu Paaren und ihre Eier abzulegen, da sie als adulte Tiere keine Nahrung mehr aufnehmen.

Die Weibchen legen ihre Eier (je Gelege bis etwa 50 Stück – insgesamt bis zu 400 Eier) in feine Ritzen und Risse im Holz ab. Bei der Suche nach einem geeigneten Ablageort sind vor allem die aus dem Holz ausdünstenden Aerosole der Hölzer ausschlaggebend für die Eiablage. Da die Ausdünstungen der Aerosole bei frischem Holz (erste 25 Jahre nach Einschlag und Zuschnitt) stärker sind, werden diese Hölzer auch bevorzugt befallen. Ältere Balken und Hölzer, zum Beispiel in alten Fachwerkhäusern, werden nachweislich seltener neu befallen, da sie für die Käfer weniger attraktiv wirken. Das Alter des Holzes bietet aber keinen generellen Schutz vor Hausbockbefall! Selbst Jahrhunderte alte Balken können vom Hausbock besiedelt werden, wenn der Befallsdruck (also eine hohe Anzahl an Käfern auf begrenztem Raum) nur groß genug ist.

Der Hausbock ist ein so genanntes Trockenholzinsekt. Er besiedelt gerne Holz mit einer Feuchte von etwa 12% bis maximal 30% Holzfeuchtigkeit. Und die Larven mögen es gerne warm. Temperaturen zwischen 20° und 30°C sind für einen Hausbockbefall ideale Voraussetzungen, aber auch kühlere Temperaturen und leichte Fröste machen ihm nicht viel aus, sondern bremsen nur seine Entwicklung.

Die Hausbockkäferlarve

Der eigentliche Holzzerstörer ist allerdings nicht der Hausbockkäfer, sondern seine Larven. Einige Wochen nach der Eiablage schlüpfen die Larven aus den Eiern und beginnen ihr zerstörerisches Werk. Sie fressen meist nah der Holzoberfläche Gänge ins Holz, dabei verstopfen sie Zugänge und Gänge mit dem „Nagsel“ (Sägemehl) und Kot, sodass kaum verräterische Sägemehlhäufchen im befallenen Bereich zu finden sind. Befallen werden nur Nadelhölzer und hier auch nur der Splint. Kernholz (sofern vorhanden) wird verschmäht (z.B. bei Lärchen- oder Kiefernholz). Je nach Eiweißgehalt des Holzes, Temperaturen, Feuchtegehalt etc. entwickeln sich die Larven unterschiedlich schnell. So können die Tiere bereits nach etwa 4 Jahren schlüpfen, aber durchaus auch bis zu 15 Jahre ihr Unwesen im Gebälk von Dachstuhl und Co. treiben. Bei langanhaltendem Hausbockbefall werden die Hölzer soweit aufgefressen, dass sie komplett ihre Tragkraft verlieren und eventuell sogar eine Einsturzgefahr im Gebäude entsteht. Larve des Hausbock Käfers auf einem LinealDie Fraßgänge der Bockkäfer Larven können bis zu 10mm Durchmesser erreichen. Eine Verwechslung mit den Gängen des Nagekäfers ist damit ausgeschlossen.

Die Hausbockkäferlarven selbst sind gelblich weiß, ihr Körper ist sehr deutlich in Ringe segmentiert und die Larven werden bis zu 30mm lang. Der Kopf dieser Holzschädlinge ist geprägt von den kräftigen, dunklen Fresswerkzeugen und den jeweils drei Punktaugen links und rechts neben dem Maul. Ganz typisch für die fressenden Hausbocklarven ist das oft deutlich hörbare Fressgeräusch im Holz. Wenn sie also nachts im Bett liegen und leise Kratz- und Nagegeräusche hören können, sollten sie dringend einmal auf Speicher und Dachboden nach dem Hausbock Ausschau halten!

Aktiven Hausbockbefall erkennen

Um den Hausbock bekämpfen zu können, sollte im ersten Schritt erstmal untersucht werden, ob überhaupt ein aktiver Befall vorliegt, oder ob der Käfer schon vor langer Zeit ausgezogen ist. Folgende Punkte können Indizien für einen aktiven Befall sein:

  • Hörbare Nagegeräusche
    Gerade in den Nächten, wenn die Umgebungsgeräusche reduziert sind, kann das Nagegeräusch der Hausbocklarven ohne Hilfsmittel zu hören sein. Der Umkehrschluss (keine hörbaren Geräusche = kein Befall) kann aber nicht angenommen werden, da z.B. junge Larven nicht so laute Geräusche verursachen wie Larven kurz vor der Verpuppung. Gegebenenfalls können bei einer Befallsvermutung befallene Bereiche mit einem Stethoskop abgehört werden.
  • Sägemehlhäufchen
    Auch wenn die Larven die Eingänge verstopfen, können durch Erschütterungen im Gebälk oder auch durch natürliche Fressfeinde (z.B. verschiedene Raubkäferarten), die den Weg zu ihrem Futter freiräumen, austretende Häufchen entstehen. Ein klarer Beweis für einen aktiven Befall sind sichtbare Sägemehlhäufchen allein allerdings nicht, da auch aus alten verwaisten Gängen das Mehl ausrieseln kann.
  • Sichtbare lebende oder tote Käfer
    Ein recht klares Indiz für einen aktuellen Befall sind natürlich lebendige adulte Hausbockkäfer. Tote Tiere dagegen können je nach Lage und Umständen auch schon viele Jahre an Ort und Stelle zu finden sein. Eine Vermutung anzustellen wie lange die Käfer schon das zeitliche gesegnet haben ist auch für Fachleute nur mit erheblichem Aufwand sicher anzustellen.
  • Sichtbare Larven im Holz
    Der klarste Beweis für einen aktiven Befall sind natürlich im Holz fressende Käferlarven. Hat man einen entsprechenden Verdacht auf einen Hausbockbefall, kann man entweder offensichtlich geschädigtes Holz in Teilen ausbauen (Achtung! Keine tragenden Teile entfernen!) und mit Säge, Hammer und Beitel zu Leibe rücken um die Übeltäter zu Tage zu fördern, oder aber mit einem Handbeil verbaute, befallene Balken und Hölzer an den Kanten beschlagen um die Oberflächen der Hölzer aufzureißen und Gänge und ggf. Larven freizulegen.
  • Befallene Bereiche abkleben
    Führen vorgenannte Möglichkeiten zu keinem befriedigenden Ergebnis, so kann man befallene Balken und Bereiche von Frühjahr bis in den Herbst hinein mit Klebeband oder einer dünnen Folie abkleben. Finden sich im Herbst durchnagte Löcher im Klebeband an Ausfluglöchern, ist von einem aktiven Befall auszugehen. Es müssen für diesen Test nicht alle Flächen komplett eingepackt werden. Einige größere Stichproben an verdächtigen Flächen reichen aus. Aber auch hier gilt: Im Umkehrschluss ist nicht sicher davon auszugehen, dass kein aktiver Befall vorhanden ist wenn keine Ausfluglöcher sichtbar werden.

Generell ist das Erkennen von aktivem Hausbockbefall für den Laien nicht ganz einfach zu leisten. Gerade in ausgebauten Dachgeschossen oder entsprechend verkleideten Wänden, bei denen der Zugang zu befallenen Sparren und Hölzern begrenzt ist, gestaltet sich eine Begutachtung häufig sehr schwer. Im Zweifel sollte man auf einen unabhängigen Fachmann oder Gutachter zurückgreifen um sichere Erkenntnisse über den Hausbockbefall zu erhalten. Schließlich entscheidet diese Erkenntnis darüber ob es zu (meist kostspieligen) Sanierungsmaßnahmen kommen muss, oder nicht. Da sind die Kosten für einen Gutachter in aller Regel gut angelegtes Geld.

Den Hausbock bekämpfen – Maßnahmen und Möglichkeiten

Ist der Hausbockkäfer erst einmal klar identifiziert und ein aktiver Befall festgestellt worden, stellt sich natürlich schnell die Frage nach den möglichen Maßnahmen um dem Plagegeist den Garaus zu machen. Im Folgenden werden einige gängige Maßnahmen vorgestellt und mit ihren Vor- und Nachteilen besprochen.

Kleinteile und Möbel behandeln

Sind Möbel, Skulpturen oder sonstige bewegliche, nicht zu große Teile betroffen, kann man gut auch ohne chemischen Einsatz den Hausbock bekämpfen. antike Uhr vom Hausbock befallen zerlegt zur WärmebehandlungHat man eine Sauna auf die man zurückgreifen kann, so kann man die befallenen Teile dort gut bei etwa 65°C für etwa 1 bis 3 Stunden (je nach Größe / Dicke) erhitzen um alles Leben im Holz abzutöten. Bei etwa 60°C beginnen die Eiweiße im Körper der Hausbocklarven zu gerinnen und die Tiere sterben ab. Bitte unbedingt darauf achten, dass beim Erhitzen die Hölzer nicht austrocknen. Am besten Wasserbehälter oder feuchte Tücher zur Verdunstung mit in die Hitzekammer stellen. Ansonsten können schnell Risse und Spannungen im Holz entstehen, welche die Bauteile beschädigen. Aber bitte auch kein totales Dampfbad daraus machen, da sich ansonsten die alten Knochenleime in den Möbeln erweichen und sich Blasen in furnierten Teilen bilden können!

Ist keine Sauna vorhanden, kann alternativ auch bei ansässigen Schreinereibetrieben / Restaurierungsbetrieben angefragt werden ob eine Klimakammer vorhanden ist, um dort entsprechende Teile einmal mit reinzustellen.

Kleine Teile können auch für einige Tage (mindestens 48 - 72 Std.) in eine handelsübliche Kühltruhe gelegt werden um dem Hausbockbefall Herr zu werden. Bei -18 bis -22°C sterben die Larven zuverlässig ab. Vorteil dieser Methode ist, dass sie zum Material in aller Regel wesentlich schonender ist, als das Hitzeverfahren.

Natürlich kann man auch auf chemischem Wege Möbel behandeln. So gibt es im Handel eine Unzahl chemischer Mittel gegen den Hausbockkäfer zum streichen, spritzen oder gasen. Viele der Mittel arbeiten mit dem Wirkstoff Permithrin auch in Verbindung mit weiteren Wirkstoffen wie zum Beispiel Cypermethrin und zur Wirkungsverstärkung mit Piperonylbutoxid. Auch wenn sich die Wirkstoffe recht schnell verflüchtigen und als unbedenklich für den Menschen eingestuft sind, gehört Permithrin zu der Gruppe der Pyrethroide, einer Wirkstoffgruppe von Nervengiften, die eine hohe Wirksamkeit gegen Insekten haben und gegen deren Einsatz es durchaus auch kritische Stimmen gibt.

Alternativ hierzu soll man auch gute Erfolge mit einer Behandlung mit Ammoniaklösung (Salmiakgeist) zur Hausbockbekämpfung erzielen können. Hierzu kann man sich eine 25% Lösung in der Apotheke oder im Internet kaufen, das Möbelstück dann zusammen mit einer geöffneten Dose Ammoniak in eine undurchlässige Kunststoffplane luftdicht einpacken und an einem möglichst warmen Tag einige Stunden in die Sonne stellen damit der Ammoniak gut verdunsten kann. Die Begasung macht den im Holz lebenden Insekten zuverlässig den Garaus. Aber Achtung! Ammoniak riecht extrem stark und kann beim Einatmen zu Verätzungen der Schleimhäute in der Lunge führen. Auch starke Augen- und Hautreizungen sind bei Kontakt möglich. Mit Salmiakgeist zu arbeiten ist definitiv nichts für Leute mit empfindlichem Geruchssinn! :-) Unbedingt Schutzkleidung tragen!

Fachwerk, Dachstuhl und festverbaute Teile

Sind festverbaute Teile im Haus betroffen, so gibt es eine ganze Reihe von Maßnahmen, die man durchführen kann um den Hausbockkäfer zu bekämpfen. Zugelassene Maßnahmen und die Art der Durchführung sind in Deutschland in großen Teilen in der DIN 68800-4 beschrieben. Achten sie darauf, dass der ausführende Dienstleister die DIN kennt und auch nach den Vorgaben darin handelt wenn er die Schädlingsbekämpfung an ihrem Gebäude durchführt! Im Übrigen ist ein Hausbockbefall in manchen Bundesländern meldepflichtig!

Folgend eine Liste zu möglichen Maßnahmen um dem Hausbock wieder Herr zu werden:

  • Befallene Teile ersetzen
    Klingt natürlich erstmal neunmalklug, ist aber sicherlich als erster Denkansatz durchaus sinnvoll. Können befallene Teile mit vertretbarem Aufwand ausgetauscht werden, ist dies die beste Option. Ein Austausch der Bauteile verbessert in aller Regel immer die Festigkeit der Gesamtkonstruktion und verlängert die Haltbarkeit stark. Gerade wenn Abschnitte oder Einzelteile sehr stark zerfressen wurden, bleibt oft auch keine Alternative zum Austausch.

    Einzige Möglichkeit hier wäre unter Umständen ein Ausgießen mit Kunstharzlösungen um das Bauteil wieder zu verfestigen und den Befall gleichzeitig zum Erliegen zu bringen. Sind tragende Teile im Haus befallen, sollte ein Baustatiker hinzugezogen werden um Gefahren durch Einsturz auszuschließen, bevor Einzelmaßnahmen durchgeführt werden.
  • Heißluftverfahren
    Gerade wenn ganze Dachstühle, Räume oder gar ganze Häuser mit einem Insekten- bzw. Hausbockbefall zu kämpfen haben bietet sich das so genannte Heißluftverfahren an. Dazu werden die befallenen Bereiche nach außen hin mit Planen soweit als möglich abgedichtet (mit Ausnahme einer kontrollierten Abluftöffnung) um dann mit externen Heißluftgebläsen über mehrere Stunden (meist zwischen 8 und 14 Stunden) erhitzt zu werden, so dass alle im Holz vorhandenen Insekten abgetötet werden. Wichtig zur wirksamen Durchführung der Maßnahme ist vor allem eine konstant hohe Temperatur im Holzinneren und eine genügend lange Einwirkzeit, sodass auch wirklich alle betroffenen Bauteile genügend erhitzt werden.

    Der Aufwand zum „einpacken“ der Häuser / Bereiche und die generelle Aufwendigkeit der Gesamtmaßnahme machen Heißluftverfahren zwar nicht zu den kostengünstigsten Maßnahmen gegen den Hausbock, ist aber bei korrekter Durchführung sehr effektiv. Diese Maßnahme kann nur den akuten Befall vernichten und schützt nicht vor einem Neubefall mit Schadinsekten.
  • Begasungen
    Alternativ zu Heißluftverfahren können Dachstühle bzw. ganze Häuser auch begast werden. Die Vorbereitungsmaßnahmen sind dabei ganz ähnlich. Der befallene Bereich wird dazu möglichst luftdicht mit Planen eingepackt und dann kontrolliert über einige Stunden ein Gas von außen zugeführt. Die genutzten Gase sind Sulfurylfluorid bzw. Sulfuryldifluorid. Besser bekannt unter den Handelsnamen ProFume und Vikane. Sie werden im großen Stil auch bei der Behandlung von Getreide, Nüssen und Hülsenfrüchten eingesetzt um eventuell vorhandene tierische Schädlinge abzutöten. Nach der Begasung kann das Gebäude / der Dachstuhl nach einer zusätzlichen Schutzfrist (meist 24 Stunden) wieder betreten werden. Da die Gase keine Depotwirkung haben, sollten keine weiteren gesundheitlichen Gefahren für Mensch und Tier nach der Behandlung gegeben sein.

    Neben den hohen Kosten eines solchen Verfahrens zur Bekämpfung eines Hausbockbefalls gibt es zum einen nur wenige Betriebe in Deutschland, die zur Durchführung berechtigt sind und zum anderen ist vielen Menschen bei dem Gedanken an den Einsatz einer solch massiven „chemischen Keule“ im Eigenheim nicht ganz wohl, daher hat sich das Verfahren bisher auch noch nicht sonderlich auf dem Markt durchsetzen können. Häufiger im Einsatz ist das Begasungsverfahren um Kulturgüter zum Beispiel in Kirchen und Museen Schädlingsfrei zu machen. Auch dieses Verfahren bietet keinen Schutz gegen einen Neubefall mit Hausbock oder anderen Schadinsekten.
  • Überhitzung durch Mikrowellen
    Jeder kennt zwar die Mikrowellengeräte aus der Küche, aber das man damit auch Holzbalken und sogar ganze Dachstühle vom Hausbockkäfer und Co. befreien kann, ist nur den wenigsten geläufig. Dabei liegt der Einsatz der Technik quasi auf der Hand.

    Durch den „Beschuss“ des Holzes mit Mikrowellen (erfolgt immer Abschnittsweise mit einem direkt aufgesetzten „Hornstrahler“ – ähnlich wie ein Megafon), werden alle wasserhaltigen Elemente im Holz stark erhitzt, sodass das Wasser anfängt zu verdampfen. Dass eine solche Behandlung weder der Hausbock, noch irgendein anderes Insekt lange übersteht, ist offensichtlich. Allerdings liegt hier auch genau das Problem des Verfahrens. Es werden eben nicht nur die Wassermoleküle in den Insekten erhitzt, sondern auch das Restwasser im Holz. Eine zu schnelle oder zu lange Zuführung der Mikrowellen ins Holz kann durch den schnellen Wasserentzug im Holz Spannungen erzeugen und hierdurch Risse verursachen. Darüber hinaus kann auch bei zu starker Erhitzung im schlimmsten Fall das Holz zu brennen oder zu verkohlen beginnen. Hier ist Erfahrung beim Anwender gefordert um genau das richtige Maß an Energie für verschiedene Querschnitte und Holzarten zuzuführen. Auch dieses Verfahren bietet keinen Schutz gegen einen Neubefall mit dem Hausbockkäfer oder anderen Schadinsekten.
  • Hausbockbekämpfung mit Insektiziden
    Das wohl am häufigsten angewendete Verfahren um den Hausbock zu bekämpfen ist das Aufbringen bzw. Einbringen von Pestiziden in befallene Hölzer. Dabei werden grundsätzlich zwei Verfahren unterschieden. Zum einen das äußerliche Aufbringen der Pestizide mit einer Spritzdüse (mindestens 2x auftragen) nach einer Vorbehandlung durch Öffnen der oberflächlichen Fraßgänge mit Handbeilen, Schleifern und ähnlichen Werkzeugen sowie dem Auskratzen der Gänge mit Drahtbürsten um Nagsel und Kot zu entfernen. Zum anderen das Einbringen von Pestiziden mit Hilfe der so genannten Bohrlochtränkung. Hierzu werden 8 bis 15mm große Löcher im Abstand von etwa 15 bis 30cm in befallene Hölzer gebohrt, diese dann mit Druck mit einem Pestizid befüllt und anschließend wieder mit einem Holzdübel dicht verschlossen. Durch Kapillarwirkung und Schwerkraft verteilt sich das sehr dünnflüssige Mittel entsprechend im ganzen Balken.

    Meist werden beide Verfahren auch in Kombination eingesetzt, je nach Möglichkeiten und sinnvollster Einsatzweise. Ein oberflächliches Auftragen der Insektizide mit dem Pinsel reicht übrigens in der Regel nicht aus um effektiv gegen den Hausbockbefall vorzugehen, da die Tiere ihre Eier gerne tief in Rissen und Spalten im Holz ablegen. Besser ist immer ein Auftrag im Spritzverfahren.

Zum Einsatz kommen bei der chemischen Bekämpfung in der Regel auch schon weiter oben genannte Mittel mit den Wirkstoffen Permithrin (aus der Gruppe der Pyrethroide), teilweise in Kombination mit Cypermethrin und „Verstärkern“ wie Piperonylbutoxid (welche den enzymatische Abbau der Gifte im Organismus verhindern und ggf. vorhandene Resistenzen aushebeln).

Alternativ zu diesen Mitteln gibt es auch die Möglichkeit des Einsatzes von Flufenoxuron aus der Gruppe der Benzoylharnstoffe welches die Häutung der Larven verhindert und hierdurch zum Absterben der Larven führt. Die Wirkweise greift also immer nur an einem bestimmten Punkt im Entwicklungszyklus der Tiere ein und wirkt damit immer nur mit einer zeitlichen Verzögerung, gilt aber aufgrund der Wirkweise generell als weniger bedenklich für andere Organismen als oben genannte Toxine.

Mittel zur Vorbeugung gegen einen Hausbockbefall

Ist der Hausbockbefall erfolgreich bekämpft oder soll mit Holz neu gebaut werden, stellt sich die Frage was man gegen einen Befall mit dem Hausbock tun, bzw. wie man generell gegen einen Insektenbefall vorbeugen kann, damit man gar nicht erst in die missliche Lage kommt den unliebsamen Besuchern den Kampf ansagen zu müssen. Auch hier hat der Hausherr wieder verschiedene Mittel zur Verfügung:

  • Technisch getrocknetes Holz verwenden
    Beim Neubau sollten ausschließlich vorher technisch getrocknete Hölzer eingesetzt werden, da zum einen die vielleicht im Holz schon vorhandenen Tiere durch die Erhitzung abgetötet wurden und auch weil der niedrige Wassergehalt im Holz so manchen Schädling von der Besiedelung abhält (das gilt übrigens auch für Schimmelpilze) wenn nicht durch Baumängel wieder Feuchtigkeit zugeführt wird. Einen hundertprozentigen Schutz gegen einen Befall hat man so zwar nicht, aber begrenzt das Risiko doch schon mal auf ein erträglicheres Maß.
  • Thermohölzer verwenden
    Einen Schritt weiter gehen so genannte thermisch behandelte Hölzer (auch Thermoholz genannt). Sie werden in einem aufwendigen Verfahren bis über 200°C erhitzt. Dabei finden im Holz chemische Umwandlungsprozesse statt, die das Holz zum einen hydrophob (also wasserabweisend) werden lassen und zum anderen werden die Hölzer durch interne Kristallisationsprozesse für tierische Angreifer unattraktiv. Ein natürlicher Holzschutz ohne chemische Mittel, allerdings mit sehr hohem Energieaufwand. Darüber hinaus dürfen bisher (Stand Ende 2017) Thermohölzer noch nicht für tragende Bauteile eingesetzt werden.
  • Borate / Borsalze
    Schon seit langem werden zur Vorbeugung gegen Schädlingsbefall Borate eingesetzt, die zuverlässig ein Eindringen von Schädlingen ins Holz verhindern. So sind Beispiele für mit Borsalzen getränkte Baustoffe zum Beispiel die grünlichen oder bläulichen Dachlatten oder Sparren, die man im Sägewerk oder Baustoffhandel kaufen kann. Die Borate selbst werden als nicht karzinogen eingestuft und werden auch bei Aufnahme vom Körper wieder ausgeschwemmt. Es gilt zwar eine Warnung zur Reproduktionsfähigkeit, allerdings basiert diese Warnung auf umstrittenen Testversuchen mit Mäusen, die keinen Praxisbezug nachweisen. Handelsnamen entsprechender Präparate mit Borsalzen sind zum Beispiel: Kulbasal B-combi, Adolit Holzwurmfrei, Diffusit IC B, Adolit Bor flüssig, Diffusit Holzbau, Basilit B flüssig.

    Vor der Behandlung mit Boraten sollte das Holz unbedingt angefeuchtet werden. In Sägewerken genutzte Borate sind übrigens meist mit weiteren Insektiziden gemischt. Sich dort ein paar Liter abfüllen zu lassen um Geld zu sparen kann also unliebsame Überraschungen mit sich bringen, wenn man auf eine reine Borsalzlösung setzen will. Daneben werden auch noch Chrom-Kupfer(CK) bzw. Chrom-Kupfer-Bor (CKB) Verbindungen und quartäre Ammoniumverbindungen zum Holzschutz gegen Insekten und Pilze eingesetzt.
  • Insektizide mit Pyrethroiden
    Wie weiter oben schon beschrieben wird zur Insektenbekämpfung auch in der Vorbeugung auf Mittel mit Pyrethroiden (z.B. Cypermethrin, Permethrin) zurückgegriffen, die in Kombination mit weiteren Inhaltsstoffen auch eine Depotwirkung entfalten um einen langfristigen Holzschutz zu gewährleisten. Allerdings sollte man bedenken, dass durch entsprechende langfristige Ausdünstungen, diese Mittel für den Einsatz im Wohnbereich (innen) nicht eingesetzt werden sollten. Im Außenbereich bieten diese Mittel einen guten Schutz gegen das Eindringen von Schadinsekten.
  • Ökologisch unbedenkliche Alternativen
    Als ökologische Alternative zu oben genannten chemischen Verfahren bieten Hersteller wie MASID oder HAresil Mittel an, die durch einen Verkieselungsprozess das Holz für Hausbock und Co. quasi unsichtbar machen. Es werden also die Ausdünstungen der Holzaerosole, welche die Tiere anlocken, unterdrückt. Dies geschieht mit für die Umwelt ungiftigen, natürlichen Komponenten wie Kaliumkarbonat, Kieselsäure, Cellulose, Abietinsäure, Holzzucker und Wasser (lt. Fa. MASID – Produkt Wood Bliss), Alkali Silikate in Wasser (lt. Fa. HAresil – Produkt HAresil Basic). Durch die Veränderung der Holzstruktur sollen auch andere Schadorganismen wie Pilze schlechter Fuß fassen können und zusätzlich das Holz verfestigt werden.

    Im besonderen Wood Bliss wird seit vielen Jahren bei der ökologischen Schädlingsbekämpfung und Vorbeugung im Holz erfolgreich von vielen Dienstleistern eingesetzt. Auch werben die Hersteller mit entsprechenden Zertifikaten und Wirksamkeitstest auf ihren Internetseiten. Der etwas höhere Preis gegenüber herkömmlichen Präparaten mit toxischen Giften ist mit Blick auf die generelle Umweltverträglichkeit meiner Meinung nach sicherlich vertretbar und mal einen Blick wert.

Ich hoffe, dieser doch recht ausführliche Artikel konnte ihnen einen guten Überblick über die Möglichkeiten bieten wie sie einem Hausbockbefall vorbeugen, bzw. ihn erfolgreich bekämpfen können. Zu guter Letzt auch in diesem Beitrag noch einmal der eingehende Apell keine Selbstmischanleitungen von Giften und Mitteln aus dem Internet zu nutzen. Die Gefahren für Mensch und Umwelt sind bei der Anwendung gerade chemischer Mittel oft wesentlich höher als bei fertigen, im Handel zu erwerbenden Produkten und das oft nur um vermeintlich Geld zu sparen, dass allerdings bei unsachgemäßer Ausführung hinterher oft doppelt und dreifach draufgezahlt werden muss, von den gesundheitlichen Risiken mal abgesehen.

Falls sie sich nicht sicher sind, wie sie den Hausbock bekämpfen sollen, suchen sie sich unbedingt einen Fachmann, der ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen kann, damit ihr Problem möglichst effektiv und nachhaltig gelöst wird. Ähnlich wie bei Gesundheitsfragen kann auch eine Zweitmeinung in vielen Fällen nicht schaden. ;-)

In diesem Sinne, viel Erfolg beim Hausbock bekämpfen!

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